Die 3 häufigsten Probleme in einer Beziehung

Vom ersten Date bis zur Beziehung ist es ein (meist) langer weg. Aber einmal den richtigen Partner gefunden, beginnt eine wunderschöne Zeit. Doch Vorsicht. In Beziehung schweben Sie nicht immer auf Wolke 7. Einige Beziehungsprobleme werden Ihnen begegnen. Hier stellen wir Ihnen die drei größten Probleme in einer Beziehung vor und geben Ihnen hilfreiche Tipps mit auf den Weg…

Inhalt

1. Die Angst vor Nähe

Angst ist einer der großen Beziehungskiller. Obwohl über 70 Prozent der Lesben und Schwulen über 30 sich eine langfristige Partnerschaft wünschen, bangen sie gleichzeitig: Ab jetzt nur noch alles gemeinsam …?!

Große Erwartungen und Verweigerer

Viele Singles projizieren Glück und Unglück ihrer aktuellen Lebenssituation auf eine potenzielle Partnerschaft: „Wenn ich erst wieder eine Beziehung führe, wird es mir auch besser gehen“, sagen häufig vor allem Menschen, die bereits länger auf der Suche sind. Die Gefahr hierbei ist, dass die Erwartungen nicht an die Beziehung, sondern an die Partnerin/den Partner immens werden. In der Folge fühlt sich die neue Liebe nach einer sehr intensiven Startphase schnell eingeengt und bedrängt. Ihr bleibt womöglich nur noch die Flucht oder der Rückzug.

Ein anderes Phänomen: die aktiven und die passiven Beziehungsverweigerer. Jeder hat vermutlich schon einmal nach einer euphorischen Kennenlernphase den niederschmetternden Kommentar gehört: „Weißt du, das ist toll, so wie es ist. Aber eine Beziehung möchte ich nicht.“ Bei einem solchen aktiven Beziehungsverweigerer weiß man zumindest, woran man ist. Anders bei den passiven Beziehungsverweigerern. Die sagen zwar, sie wünschten sich eine Beziehung, doch sie tun unbewusst alles, um diese zu verhindern. Beispielsweise, indem sie sich in kleine, oft auch nur scheinbare Fehler des Partners hineinsteigern.

Sich den Ängsten stellen

Jeder hat Angst vor Nähe, mancher mehr, mancher weniger. Zähneputzen während der Partner nebenan unter der Dusche steht, ist für einige die Erfüllung, für andere ein unerträglicher Eingriff in die Intimsphäre. Eine Diskussion darüber verletzt vor allem leicht die Partnerin/den Partner, die/der Nähe sucht. Denn aus ihrer/seiner Perspektive ist der Wunsch nach Freiraum häufig eine persönliche Zurückweisung. Wichtig ist, sich der eigenen Ängste vor zu viel Nähe bewusst zu werden und diese mit seinem Gegenüber offen anzusprechen. Nur so können Missverständnisse vermieden werden. Gerade zu Beginn einer Beziehung, wenn die gemeinsame Kommunikationsebene noch entwickelt wird, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse an die Partnerschaft so zu formulieren, dass die neue Liebe dies nicht als Kritik an ihrer Person versteht.

Woher kommt die Angst?

Jeder will einerseits seine Persönlichkeit entfalten und sich gleichzeitig geborgen fühlen. Diese Bedürfnisse auszubalancieren, ist ein entscheidender Faktor innerhalb einer Beziehung. Unsere Grundhaltung für den Umgang mit Nähe und Distanz wird in der Familie gelegt, von der wir Verhaltensmuster übernehmen. Kinder, die sich von ihren Eltern distanzieren, erleben als Reaktion darauf beispielsweise Stolz oder große Verunsicherung seitens der Eltern. Gerade negative Erfahrungen können sich problematisch auf Beziehungen im Erwachsenenalter auswirken. Viele Menschen suchen sich wegen solcher Bindungsprobleme einen Partner, der ihnen in einer Beziehung nun das geben soll, was sie bei sich selbst nicht finden können. Anfangs klappt das hervorragend, doch nach einer Weile entwickelt sich aus der anfänglichen Wertschätzung eine gegenseitige Abwertung. Extreme Gegensätze passen hierbei genauso wenig wie völlige Gleichheit, denn ohne Spannung wird eine Beziehung rasch als langweilig erlebt.

Entscheidend für eine Beziehung ist eine von beiden Partnern als ausgewogen empfundene Regulierung von Nähe und Distanz. Das spiegelt sich beispielsweise in der Art und Weise wider, wie das Paar mit dem Faktor Selbstständigkeit umgeht. Die Partner müssen sich sicher sein können, mit ihren individuellen Nähe- und Distanzwünschen respektiert zu werden. Wenn das nicht gelingt, droht nach einem euphorischen Start eine schnelle Trennung.

2. Die giftige Eifersucht

Sie merken, dass Sie von einem Anderen wie dessen persönlicher Besitz betrachtet werden. Oder Sie werden von der Furcht gequält, die Zuneigung eines ins Herz geschlossen Menschen zu verlieren. Eifersucht kann Jeden treffen – als Opfer oder als Täter. Sie sind dieser gewaltigen Emotion aber nicht so hilflos ausgeliefert wie es manchmal den Anschein hat. Folgende Tipps helfen Ihnen Ihre Eifersucht in den Griff zu bekommen.

Eifersucht entsteht aus einem Cocktail verschiedenster Gefühle wie Angst, Wut, Ohnmacht oder Scham. Eifersucht ist die Emotion des doppelten Zweifels, denn der Selbstzweifel führt zur Selbstabwertung, indem man sich einredet, nicht liebenswert zu sein. Der Fremdzweifel verleitet dazu, dem Anderen etwas Negatives zu unterstellen und ihn damit abzuwerten.

Eifersucht ist die Bestrebung, die geliebte Person ganz für sich alleine zu haben – zu besitzen. Sie machen Ihrem/ Ihrer Partner/Partnerin Szenen, spionieren hinter ihm/ ihr her, kontrollieren seine/ ihre Sachen oder durchstöbern das Handy. Sie versuchen in seinen/ ihren Worte nach Indizien zu suchen, die Ihre Eifersucht rechtfertigen. Das Paradoxe daran ist, dass je weniger Sie fündig werden, desto mehr malen Sie sich die schwärzesten Befürchtungen in Ihrer Phantasie aus. Genießen Sie bewusst die Gegenwart des Partners und belasten Sie sie nicht mit Verdächtigungen. Malen Sie sich seine/ ihre positiven Seiten aus, sagen Sie ihm/ ihr auch, was Ihnen an ihm/ ihr gefällt. Damit wird auch Ihre eigene Kontrollsucht schwinden.

Die Eifersucht auf einen phantasierten Rivalen ist die häufigste. Sie schieben Ihr mangelndes Selbstwertgefühl von sich weg und hängen es dem/ der Rivalen/ Rivalin an. So müssen Sie sich nicht mehr mit Ihren negativen Anteilen auseinandersetzen und fühlen sich dadurch kurzfristig besser. Langfristig blockieren Sie damit wichtige Reifungsprozesse – etwa die Einsicht, wie liebenswert Sie auch mit Ihren Schwächen und Fehlern sein können. Bekennen Sie sich zu Ihrer Eifersucht. Holen Sie sie aus dem unbewussten Bereich in Ihr Bewusstsein. Reden Sie mit Ihrer Eifersucht wie mit einer realen Person. Warum bist du da? Was muss ich tun, damit du verschwindest? Schildern Sie Ihrer Eifersucht das Leiden, das sie bei Ihnen und Anderen verursacht. Sie sind vielleicht eifersüchtig, aber Sie sind nicht Ihre Eifersucht. Es ist wie eine Kettenreaktion, die in Ihnen abläuft, nachdem ein bestimmter Knopf gedrückt worden ist. Eine Zusammenballung von Gefühlen, die manchmal einer Krankheit gleich zu setzen ist – und die wie eine Krankheit auch wieder abklingen kann.

3. Die tückische Projektionsfalle

Gerade die Eigenschaften, die wir an uns selbst nicht mögen, treiben uns beim Partner in den Wahnsinn, wir reagieren darauf allergisch. Wie Sie solchen Projektionen künftig eher auf die Schliche kommen.

Wann immer wir auf Verhaltensweisen des Partners besonders intensiv reagieren, sollten wir kurz innehalten und uns überlegen, woran uns der andere in diesem Moment erinnert hat: Vielleicht nämlich an uns selbst – und zwar an den Teil von uns, den wir überhaupt nicht leiden können. Ganz häufig sind nämlich die Urteile, die wir über andere haben, genau die Urteile, die wir über uns selbst fällen würden, wenn wir denn erkennen würden, wie ähnlich wir reagieren. Wenn wir also unsere Projektionen erkennen lernen, lernen wir ebenso, die eigenen Fehler leichter zu akzeptieren – und vielleicht sogar an ihnen zu arbeiten. Etwas mehr Geduld im Umgang mit dem Partner und weniger schnelle Urteile über andere sind die positive Folge.

Durchbrechen Sie den Kreislauf

Im Wechselspiel von Nähe und Distanz kommt Projektion besonders häufig vor. Ein Beispiel: Julia würde sich selbst als distanziert und freiheitsliebend charakterisieren. Daniela hingegen erlebt sie klammernd und häufig als „Klette“. Weil sie sich über die für sie bedrängende Distanzlosigkeit ihrer Partnerin ärgert, vergisst und unterdrückt Julia das eigene Bedürfnis nach Nähe. Im Gegensatz hierzu empfindet Daniela ihre Freundin als sehr distanziert und fühlt sich von ihr häufig regelrecht verstoßen. Da Daniela ihre Aufgabe in der Beziehung nun darin sieht, diese Distanz zu mindern, indem sie immer wieder auf Julia zugeht, unterdrückt sie das eigene Bedürfnis nach Distanz. Dieses ist in Wahrheit erheblich ausgeprägter, als es im Kreislauf der Projektionen – Paartherapeuten sprechen von projizierter Identifikation – scheinen mag.

Wenn Daniela und Julia es nicht schaffen, diesen Kreislauf zu durchbrechen, werden sie sich nicht nur permanent über einander ärgern, sie werden auch permanent gegen die eigenen Bedürfnisse agieren.

Was tun?

Wie lässt sich nun mit Projektionen umgehen? Zunächst ist das Ziel, Projektionen zu identifizieren. Ein wichtiger erster Schritt: die Möglichkeit bedenken, ob man nicht gerade projiziert, wenn man sich wieder über den Partner ärgert. Vielleicht handelt es sich ja um eine Verhaltensweise, die man bei sich selbst ablehnt. Als zweiten Schritt sollten die Partner darüber nachdenken, inwieweit sie gegenseitig ihre Verhaltensweisen erst hervorrufen. Beim Beispiel Nähe/Distanz ist das der Fall, wenn Daniela immer wieder versucht, Julia näher zu kommen – worauf diese mit Flucht reagiert. Wenn Daniela sich daraufhin noch energischer um ihre Freundin bemüht, werden auch deren Fluchtversuche immer energischer ausfallen. Dies geschieht weitgehend automatisch, kann jedoch bereits dadurch abgeschwächt und häufig sogar beendet werden, indem sich die Partner einer solchen Dynamik bewusst werden.

Du musst meine Erwartungen nicht erfüllen

Leider neigen wir meist dazu, erst die Schuld beim Partner zu suchen. Die Folge davon ist häufig, dass wir einen eigentlich passenden Partner für unpassend halten und uns auf die Suche nach einem neuen begeben. Wenn es jedoch um Erwartungshaltung geht, dürfen Sie nie vergessen, dass es niemandes Job ist, Ihre Erwartungen zu erfüllen. Umgekehrt würden Sie sich genauso verbitten, als Projektionsfläche unerfüllter Wünsche Ihres Partners herhalten zu müssen. Bevor Sie also fragen: „Sollte ich vielleicht in einen anderen Partner investieren?“, bedenken Sie: „Beim Nächsten wird alles anders“ bedeutet nicht unbedingt: „Beim Nächsten wird alles besser!“, denn Ihre eigenen Verhaltensweisen nehmen Sie in die nächste Beziehung mit.