Fernbeziehung – Liebe auf Distanz

Liebe auf Distanz bietet nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Viele Menschen assoziieren mit einer Fernbeziehung gleich immer eine Trennung auf Raten. Doch dem ist überhaupt nicht so! Man kann sich als Paar näher kommen, als es unter Umständen möglich wäre, wenn man sich jeden Tag sieht. Veränderungen am Äußeren und in der Persönlichkeit werden viel schneller erkannt und stärker erlebt. Fernbeziehungen bieten außerdem die Gelegenheit zur gemeinsamen Entwicklung als Paar und die Gelegenheit, selbst reifer zu werden und zu wachsen.

Inhalt

Sind Sie überhaupt für eine Fernbeziehung geschaffen?

Freitagabend hin, Montag früh zurück – Wer liebt, der fährt oder fliegt! Nach einer meist stressigen Arbeitswoche setzen sich viele Liebende noch ins Auto oder begeben sich zum Flughafen, um Ihren Partner/ Ihre Partnerin schon bald im Arm zu halten. Fernbeziehungen sind speziell und funktionieren meist anders als Beziehungen von Schwulen und Lesben, die einen eingespielten Alltag haben. gayParship möchte einige Vor- und Nachteile einer Fernbeziehung aufzeigen.

Bevor Sie sich überhaupt auf eine Fernbeziehung mit all ihren Herausforderungen und Kompromissen einlassen, sollten Sie darüber nachdenken, ob diese Form der Beziehung überhaupt eine Option für Sie darstellt. Auch wenn Sie gerade frisch verliebt sind oder schon mehrere Jahre mit ihrem Partner zusammen sind und sich ein Leben ohne ihn oder sie gar nicht mehr vorstellen können, fragen Sie sich dennoch ernsthaft, ob es Ihnen reicht den Partner/ die Partnerin nur am Wochenende, nur ein Mal im Monat oder nur alle paar Monate zu sehen.

Wenn Sie besonders viel körperliche Nähe, Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit brauchen oder sehr eifersüchtig sind, ist eine Fernbeziehung wohl nicht das Richtige für Sie – auch wenn Ihnen aktuell eine Trennung unmöglich erscheint. Vorausgesetzt die Fernbeziehung würde auf unbestimmte Zeit eingegangen werden – Sehen Sie sich in einem, drei oder fünf Jahren noch immer bei Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin? Würden Sie eine Fernbeziehung langfristig durchhalten?

Regeln für eine funktionierende Fernbeziehung

Teilen Sie Ihr alltäglichen Erlebnisse miteinander

Besonders wichtig ist es, die kleinen Dinge des Alltags, die man fern ab vom Alltag des Partners erlebt auch mit dem Partner/ der Partnerin zu teilen. Selbst wenn Ihnen die alltäglichen Erlebnisse unwichtig und langweilig erscheinen und Sie sie deshalb nicht für erwähnenswert halten. Teilen Sie es unbedingt mit dem Partner/ der Partnerin. Andernfalls grenzen Sie ihn/ sie aus Ihrem Leben aus und so können Vertrautheit und Nähe verloren gehen.

Kommunikation ist das Wichtigste

Ein geeignetes Kommunikationsverhalten ist die Grundlage jeder guten Beziehung. In einer Fernbeziehung ist Kommunikation jedoch besonders wichtig. Zum einen, weil sie nicht immer möglich ist und vielleicht sogar im Voraus geplant werden muss. Zum anderen spielt Kommunikation in einer Fernbeziehung eine wichtige Rolle, weil man sich dadurch, dass man weniger zusammen erlebt, meist viel zu erzählen hat. Nur so kann man den Partner/ die Partnerin am eigenen Leben und Alltag teilhaben lassen, was wichtig ist, um Nähe und Verständnis füreinander aufrecht zu erhalten. Mimik und Gestik müssen gedeutet werden. Um Missverständnissen vorzubeugen muss man ganz besonders auf klare Kommunikation achten, nachfragen, wenn man sich nicht sicher ist, wie etwas zu verstehen ist.

Vertrauen Sie

Das hört sich natürlich leichter an, als es in der Realität ist. Vertrauen kann man nicht herbeizaubern, es muss entstehen, wachsen und natürlich auch gestärkt werden. Geben Sie Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin keinen Anlass, eifersüchtig zu sein und spielen Sie auf keinen Fall mit „eifersüchtig machen“. Über die Distanz ist das dem Gegenüber einfach mehr als unfair und es wird Ihrer Beziehung nicht gut tun.

Streitkultur ist wichtig

In einer Fernbeziehung versuchen viele Streit zu vermeiden und Ärger hinunterzuschlucken. Die gemeinsame Zeit ist kurz, man will sie nicht durch einen Streit kaputt machen und eine giftige Atmosphäre schaffen. Außerdem ist der Partner/ die Partnerin bald wieder weg, wodurch sich auch eventuell der entstehende Streit wieder auflösen könnte. So sind viele versucht, das Problem gar nicht erst anzusprechen. Das ist allerdings der falsche Weg.

Wie in jeder anderen Beziehung, muss man auch in einer Fernbeziehung problematische Dinge ansprechen können. Und ein Streit gehört genauso dazu wie anderswo. Längst fällige Auseinandersetzungen vom einen Treffen zum nächsten vor sich her zu schieben, ist auch nicht sinnvoll. Stellen Sie sich dem Thema, nachher geht es Ihnen wahrscheinlich besser. Findet ein Streit in der getrennten Zeit statt, so seien Sie nicht zu lange unerreichbar für Ihren Partner/ Ihre Partnerin. Das ist unfair dem Anderen gegenüber.

Das nächste Treffen

Wenn Sie beim Abschied schon wissen, wann und wo Sie Ihren Partner/ Ihre Partnerin wiedersehen, macht das nicht nur den Abschied, sondern auch die Zeit bis zum nächsten Treffen einfacher. In einer Fernbeziehung sind Planung und Organisation wichtig, und auch durchaus notwendig.

Eine Perspektive zusammen erarbeiten

Eine Fernbeziehung muss irgendwann einmal auch beendet werden – im Idealfall durch das Zusammenziehen in die gleiche Stadt. Eine Fernbeziehung kann über Monate oder auch Jahre gut gehen und für beide Partner zufriedenstellend sein. Aber ohne Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft – selbst wenn diese noch in ferner Zukunft liegt – hat die Fernbeziehung früher oder später keinen Sinn mehr, zumindest empfindet das meist einer der Partner so. Deshalb überlegen Sie realistisch, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen könnte. In der Zwischenzeit können Sie ja auch mal phantasieren und am Telefon mit Ihrem Partner zusammen Luftschlösser bauen. Aber eine realistische, gemeinsame Zukunftsperspektive sollte vorhanden sein, etwas, worauf man mit dieser Fernbeziehung zusammen hinarbeitet.

Das Besondere an einer Fernbeziehung

Eine Fernbeziehung ist zwar schwieriger zu führen als eine alltägliche Beziehung, dennoch ist sie genauso schön! Eine Beziehung auf Distanz bringt Vorteile mit sich, die sie für manche sogar attraktiver macht als eine alltägliche Beziehung. Neben der Zeit, die man für sich hat und nutzen kann, nutzt man meist auch die gemeinsame Zeit intensiver. Endlich kann man mit dem Partner/ der Partnerin von Angesicht zu Angesicht reden, ihn/ sie anfassen und küssen, etwas mit ihm/ ihr unternehmen usw. Man freut sich die ganze Zeit auf diese Augenblicke.

Die Zeit zu Zweit ist etwas Besonderes und Sie sollten Sie auch dementsprechend nützen – allerdings ohne Stress und zu viel Planung im Vorfeld. Genießen Sie es einfach, Ihren Partner/ Ihre Partnerin um sich zu haben und genießen Sie die Zeit zusammen.

Rituale sind wichtig

Stärken Sie das Wir-Gefühl durch gemeinsam verbrachte Zeit und Unternehmungen. Stellen Sie keine überhöhten Erwartungen an die gemeinsame Zeit, um Enttäuschungen zu vermeiden. Vermeiden Sie lange Abschiedsszenen. Lassen Sie die letzten Stunden nicht von Traurigkeit überschatten. Verschwenden Sie die gemeinsame Zeit nicht mit Verpflichtungen, wie beispielsweise putzen. Kochen Sie lieber zusammen. Erschaffen Sie zusammen Rituale – diese stärken das Gefühl der Gemeinsamkeit.

Halten Sie täglich Kontakt und sprechen Sie miteinander, die Themen sind nebensächlich, lassen Sie Ihren Partner/ Ihre Partnerin an Ihrem Leben teilhaben. Schaffen Sie Perspektiven, beispielsweise einen gemeinsamen Urlaub oder das Zusammenziehen. Das langfristige Ziel ist aus einer Fernbeziehung eine Dauerbeziehung zu machen. Behalten Sie das stets im Hinterkopf. Vereinbaren Sie bereits beim Abschied einen Termin für das nächste Wiedersehen.

Akzeptieren Sie die Wünsche Ihres Partners/ Ihrer Partnerin, wenn er/ sie etwa einmal das Wochenende allein verbringen möchte, dürfen Sie nicht enttäuscht sein.